Geheimtipp: Radovljica in Slowenien – so süß!

Keine Chance, sich zu verlaufen: Die historische Altstadt von Radovljica in Slowenien besteht aus einer einzigen Straße. Darin: Schokolade, Honig und ein Restaurant mit einem Michelin-Stern.

Liebe Freundinnen von Welt,
es gibt Städte, die sind so hübsch, dass man ihnen fast misstraut. Radovljica ist so ein Fall. Historische Fassaden, Berge am Horizont, Honig, Schokolade, ein Michelin-Stern – und diese ordentliche slowenische Art, Dinge nicht größer zu machen, als sie sind.
Entdeckt mit mir Radovljica, die süßeste Stadt Sloweniens!
Eure Kirsten, Freundin von Welt

Mein Slowenien-Geheimtipp: Was macht Radovljica so besonders?

  • Die Altstadt ist eine einzige pittoreske Straße
  • Zentrum der slowenischen Imkerei
  • Schokoladenmanufaktur
  • Michelin-Restaurant Hiša Linhart
  • Nähe zu Bled (aber noch ein Geheimtipp!)

Fassaden

Ein Blick nach oben lohnt sich in Radovljica

Charme

Ein Spaziergang duch Radovljica

Die Altstadt von Radovljica

Ich gehe los und denke kurz, ich hätte etwas übersehen. Eine Abzweigung vielleicht. Eine zweite Reihe. Eine versteckte Gasse. Nichts davon. Die Altstadt von Radovljica ist eine Gerade. Der Linhart-Platz ist im Grunde eine einzige Straße – und auf ihr passiert alles: Sterne-Küche, Bienenmuseum, Schokolade. Wer hier flaniert, schaut genauer hin. Fassaden werden interessant. Schmiedeeisenere Details zeigen Charakter.

An den Seiten, hinter den Häusern, klappt die Landschaft auf wie ein Bühnenbild: Das Sava-Tal, die Julischen Alpen, einmal tief Luft holen.

Radovljica Altstadt

Radovljica

Die Altstadt: eine Straße

Bergblick

Landschaft wie ein Bühnenbild

Bergblick Triglav Nationalpark, Julische Alpen

Geschichte von Radovljica, Slowenien

Die Stadt entwickelte sich im 13. Jahrhundert auf einem Felsvorsprung oberhalb des Flusses Sava. Ihren Höhepunkt erreichte sie im 16. Jahrhundert. Der Linhart-Platz ist heute fast eine Art lebendiges Freilichtmuseum: Bürgerhäuser aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert stehen Seite an Seite, ohne sich zu brüsten. Der Platz ist nach dem Dramatiker Anton Tomaz Linhart benannt, 1756 hier geboren. Er schrieb das erste Theaterstück in slowenischer Sprache. Das Stadtmuseum erzählt von ihm.

Hinter dem imposanten Schloss öffnet sich ein kleiner Platz mit der gotischen Hallenkirche St. Peter aus dem 15. Jahrhundert – eine architektonische Perle.

In der Zeit vom 15. zum 16. Jahrhundert bekam Radovljica eine Stadtmauer und einen Wehrgraben, dem heute einzigen erhaltenen Stadtwehrgraben in Slowenien.

Radovljica

Draußen sitzen – sogar im Winter

Radovljica

Tourist-Info mit kleinem Shop

Kunst hinter Glas in Radovljica

Meta Šolar hat mit der Tourist-Info angefangen: ein paar Fenster im Winter. Dann wurden es mehr. Jetzt zieht sich ihre Arbeit durch den ganzen Ort. Die Winterfenstermalereien sind Radovljicas stille Jahresuhr.

„Tempera“, sagt Meta, „alles andere macht Äger.“ Acryl hatte sie einmal probiert. Ging schlecht ab. Die gemalte Hauskatze blieb länger am Fenster als geplant. „Aber die Leute waren freundlich, es hat ihnen nicht so viel ausgemacht.“

Das Thema in diesem Jahr: Wintersport. Weiter draußen die Skifahrer, Tempo, schräge Körper, die sich gegen den Hang lehnen. Näher zur Stadtmitte hin Kinder, die Schneemänner bauen. Lauter kleine Szenen, weiß schimernd.

In ihrem Malworkshop zeigt mir Meta Šolar, wie das mit dem Hinter-Glas-Malen funktioniert. Man muss irgendwie andersherum denken. Meine ersten Pinselstriche sind noch zögerlich, doch mit den Tipps, die Meta mir gibt, werde ich experimentierfreudiger. Dabei plaudern wir, ich erfahre, dass man in Slowenien bis exakt 35 als „junge Künstlerin“ gilt, danach nicht mehr. Das Malen macht Spaß! Warum mache ich das so selten? Ist doch egal, ob ich es kann, es tut einfach gut.

Meta Šolar

Die Künstlerin bemallt auch Fenster und gibt Workshops

Winterfenster

Eins der von Meta Šolar bemalten Fenster

Imkertradition in Radovljica: Wer sagt es den Bienen?

Im Schloss: das Imkereimuseum. Hier dreht sich alles um die Krainer Biene – grau, ruhig, bescheiden. Eine Biene, die freundlich und effizient ihren Job macht. Man versteht schnell, warum sie hier fast so etwas wie ein Nationalcharakter ist. Slowenien hat europaweit die meisten Imker.

Eine Bienenkönigin legt bis zu 2000 Eier am Tag und lebt bis zu fünf Jahre. Arbeiterinnen halten sechs Wochen durch. Im Slowenischen gibt es zwei Wörter für den Tod – eines für Menschen, eines für Tiere. Imker benutzen das Wort für Menschen, wenn eine Biene stirbt.

Wenn der Imker stirbt, muss es jemand den Bienen sagen.

Slowenische Weisheit

Ein typisches slowenisches Frühstück: Brot, Butter, Honig – und unbedingt den Honig mit dem Holzlöffel nehmen, Metall zerstört das Aroma.

Den Weltbienentag gibt es seit 2018: der 20. Mai, der Geburtstag von Anton Jansa, dem Begründer der modernen Imkerei – geboren hier, in Radovljica.

Bienenkästen im Imkereimuseum

Die Bienenkästen sind bunt bemalt – ursprünglich damit die Bienen ihren Stock wiederfinden. Fast 250 bemalte Stirnbretter hängen im Museum. Kleine Szenen, oft überraschend komisch. Früher Orientierung, heute ein Archiv dessen, was Menschen beschäftigt hat: Arbeit, Eitelkeit, kleine Katastrophen.

Schokolade, handgemacht

Ein paar Schritte weiter: Radolška čokolada. Natascha reicht hausgemachten Walnusslikör im Schokoladenbecher. Wer einen zweiten möchte, darf den Becher nicht sofort aufessen.

Nataša stellte sich mit 50 Jahren die Frage: „Ist es das schon, oder habe ich den Mut noch einmal etwas ganz Neues anzufangen?“ Dann die Pandemie, viel Zeit, eine Küche, viele misslungene Versuche. Jeden Tag eine neue Charge. Jeden Tag ist etwas schiefgegangen. Ein Freund aus Großbritannien kam, um zu helfen. Schließlich ein kleines Labor in der Garage. Die Nachbarn freuten sich – es gab ständig etwas zu verkosten.

Die Arbeitsteilung bis heute: „Mein Mann macht die Schokolade, ich verkaufe sie.

Bis zu 600 Aromen hat Schokolade, sagt Nataša – wie Wein. Die Kakaobohnen kommen von einer kleinen Firma am Comer See. Einen Onlineshop gibt es nicht. Im Dezember muss sie manchmal den Laden schließen, weil die Regale leer sind. Sie zeigt uns bei einem Workshop, wie man Schokolade richtig isst. Und im Workshop stellen wir Florentiner her, flache Schokoladenklekse, garniert mit verschiedensten Zutaten von Kakonibs, Nüssen bis Meersalzflocken.

WIE MAN SCHOKOLADE RICHTIG ISST
1.  Schauen: Die Schokolade muss glänzen.
2.  Fühlen: Sie schmilzt zwischen den Fingern.
3.  Hören: Sie knackt beim Abbeißen.
4.  Warten: Das Stück auf der Zunge zergehen lassen, damit sich die Aromen entfalten.
5.  Essen: Erst, wenn es sich cremig anfühlt.
Nataša, Inhaberin von Radolška čokolada

Radolška čokolada

Nataša schenkt Walnusslikör aus

Radolška čokolada

Schokoladenworkshop

Florentiner und Zutaten im Schokoladenworkshop bie Radolška čokolada

Hiša Linhart: 500 Jahre Geschichte, gute Nachbarschaft und ein Stern

Das Hiša Linhart – Haus Linhart – steht da, als hätte es die letzten 500 Jahre einfach durchgearbeitet, sich dabei aber prächtig erholt. Kein Denkmal, eher ein Betrieb. Es ist Restaurant, Hotel, Kochschule (Workshops!) zugleich.

Drinnen Marcela. Sie lacht, reicht mir ein Glas, sagt: „Wir kaufen in der Nachbarschaft.“ Damit die bleibt. „Wir sind Teil einer Gemeinschaft.“ Und: „Es liegt an uns, die Welt besser zu machen.“

Man versteht schnell, dass das nicht nur ein hübscher Gedanke ist, sondern eine Art stiller Vertrag. Mehr als die Hälfte der Zutaten ist biologisch angebaut. Der Michelin-Stern kam 2022. Den günstigen Mittagstisch gibt es trotzdem – bewusst auch für die Nachbarn.

Chef Uroš Štefelin stellt sich gerne der Herausforderung, vergessene slowenische Produkte zu finden und damit zu kochen. Beispiel: heimische Forelle geräuchert in Apfelbaumrinde.

Dann kommt das Essen. Eine Kohlrabisuppe, so wunderbar, dass man sich fragt, warum man Kohlrabi sonst so selten ernst nimmt. Als Hauptspeise der berühmte Käsekuchen: Rezept aus dem ältesten slowenischen Kochbuch von 1799, mit Lauch, Estragon, Kirsche. Süß und salzig verhalten sich wie zwei, die sich lange kennen.

Abends Blumenkohl – frittiert, mit gerösteter Haselnuss und Kartoffelsauce, getoppt mit einem Shrimp. Die Story dazu: wenn man auf den höchsten Berg Sloweniens steigt, den Triglav, dann sieht man von dort aus das Meer. Seit Jahrzehnten auf der Karte. Ein Gericht, das bleibt, weil es keinen Grund gibt, es zu ändern.

Blumenkohl - frittiert, mit gerösteter Haselnuss und Kartoffelsauce, getoppt mit einem Shrimp
Der Blumenkohl im Hiša Linhart
Kohlrabicremesuppe im Hiša Linhart in

Hiša Linhart

Kohlrabicremesuppe zum Lunch

Gastfreundschaft

Marcela, die Seele des Hiša Linhart

Marcela, die Seele des Hiša Linhart in Radovljica

Ein Tag in Radovljica, Slowenien

UHRZEITPROGRAMM
10:00Malen mit Meta Šolar
Malworkshop hinter Glas
13:00Lunch im Hisa Linhart
Michelin-Stern, trotzdem zugänglich – regionale Küche, klar gedacht – reservieren!
15:00Schokolade bei Radolska cokolada
Verkostung vom Kakaobohnen-Aroma bis zur fertigen Praline – langsam sein lohnt sich
17:00Imkereimuseum + Stadtspaziergang
Honig als Kulturgeschichte – Wehrgraben – Aussichtspunkt Sava-Tal
19:30Abend im Hisa Linhart
Blumenkohl, Forelle, Wein – sensationelles Essen an einem Ort voller herzlicher Gastfreundschaft

Wann lohnt sich ein Besuch in Radovljica besonders?

SCHOKOLADENFESTIVAL

Jedes Jahr im April – 2026: 18.-19. April – größtes Schoko-Event Sloweniens – 50.000 Besucher in drei Tagen – Pralinen-Wettbewerb, Produzenten vor Ort

WELTBIENENTAG

20. Mai – Geburtstag von Anton Jansa – Veranstaltungen rund um Imkerei und Honig – guter Anlass für einen Ausflug ins Imkerzentrum Lesce

KULINARISCHER HERBST

Oktober-November – „Taste Radolca“ – Menues mit lokalen Produkten, Events bei Produzenten – die genussvolle Jahreszeit der Stadt

ADVENT IN RADOVLJICA

Dezember – handgemachte Deko aus Naturmaterialien – ruhige Atmosphäre – übrigens: die Weihnachtsfloristin schmückt auch den Vatikan

Hiša Linhart

Restaurant und Hotel

Hinter Glas

Ein von Meta Solar bemaltes Fenster

Praktisches auf einen Blick

ANREISE

Slowenien ist klein, Radovljica liegt nur etwa 30 Minuten von Ljubljana entfernt, ganz in der Nähe von Bled (kennt ihr vielleicht vom Foto, der See mit der Insel).
Autobahn A2 (Ausfahrten Lesce, Radovljica, Brezje) – Bahnhof Lesce-Bled – gute Busverbindungen Richtung Bled und Ljubljana

Gute Adressen in Radovljica, Slowenien

Hiša Linhart: Restaurant und Hotel

  • Michelin-Stern + Green Star
  • wunderbare Gastfreundschaft
  • Tipp: der Lunch ist überraschend günstig
  • www.hisalinhart.si

Radolska čokolada: Schokoladenmanufaktur

  • kleine Manufaktur, oft schnell ausverkauft
  • kein Onlineshop
  • Workshops zum Mitmachen
  • radolska-cokolada.com

Imkereimuseum (im Schloss Radovljica)

Tourismus-Info Radovljica („Radol’ca“)

  • Karten, Events, Tipps und ein kleiner Shop mit Souvenirs
  • radolca.si/de

Informationen über Slowenien: slovenia.info/de

Offenlegung: Meine Recherchereise wurde vom Slowenischen Tourismusamt organisatorisch unterstützt und in Hotels, zu Workshops und Mahlzeiten eingeladen. Das hat keinen Einfluss auf meine Berichtertattung. Honorar bekomme ich für meine Beiträge nicht.

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