Moin Hamburg! Ein Überblick

Liebe Freundin von Welt,

es gibt Städte, die wollen gefallen. Und es gibt Hamburg. Diese Stadt liegt nicht am Meer – und tut trotzdem so, als hätte sie die Gezeiten erfunden. Hundert Kilometer sind es bis zur Nordsee, doch hier ziehen die Schiffe vorbei, als kämen sie frisch von den Weltmeeren. Der Wind riecht nach Elbe, nach Kaffee, nach Hafen (also: Schiffsabgasen). In Hamburg heißt es: Handel statt Hofstaat, Hafen statt Palast, Kaufleute statt Könige. Wer hier ankommt, merkt schnell: Diese Stadt wurde gebaut, um zu bestehen. Hamburg hat etwas Handfestes. Und ist auf faszinierend spröde, zurückhaltende Weise schön.

Deine Kirsten, Freundin von Welt und Hamburgerin

Alsterfontäne auf der Binnenalster in Hamburg

Binnenalster

mit Alsterfontäne

Fleetblick

in der Innenstadt

Fleetblick durch ein Brückengeländer in der Hamburger Innenstadt

Inhaltsverzeichnis

Hamburgs Geschichte: von der Hammaburg zur Handelsmacht

Hammaburg & Hanse

Die Geschichte Hamburgs beginnt im 8. Jahrhundert als Hammaburg, eine sächsische Niederungsburg auf einem Geestrücken zwischen Alster und Elbe – ein befestigter Ringwall mit wenigen Häusern, Graben und Palisade . Der Name „Hammaburg“ bezieht sich auf den altsächsischen Begriff ham, für grasige Niederung oder Bucht.

Im Jahr 811 entstand an dieser Stelle eine erste Missionskirche im Umfeld der karolingischen Expansion. 834 wurde Ansgar zum Bischof von Hamburg ernannt; unter seiner Leitung entstanden Kirche, Kloster, Schule und Bibliothek – ein frühes Zentrum christianisierter Kultur. In den folgenden Jahrzehnten brannten Siedlung und Befestigung nach Wikingereinfällen mehrmals nieder, um das Jahr 900 wurde die Burg größer wieder aufgebaut.

Ab 1189 verlieh Kaiser Friedrich I. Hamburg den Status einer freien Reichsstadt und Zollfreiheit auf der Elbe, was Handel und Unabhängigkeit stärkte. 1241 verband sich Hamburg mit Lübeck zur frühen hanseatischen Allianz, aus der im 13. Jahrhundert die Hanse, das mächtige nord- und ostseeeuropäische Handelsnetzwerk, wuchs. Hamburgs Kaufleute pflegten Fernhandel, gründeten Kontore in Brügge, London oder Bergen und etablierten sich als bedeutende Handelsmacht.

Der offizielle Name Freie und Hansestadt Hamburg spiegelt diese Wurzeln: Selbstverwaltung, Handel, Netzwerke über Grenzen hinweg – eine historische Identität, die bis heute wirkt.

Der große Brand von 1842

Hamburg wurde reich. Und brannte. In der Nacht zum 5. Mai 1842 entfachte ein Feuer in einem Speicher in der Deichstraße am Nikolaifleet – der engen Gasse, in der Kaufleute Wohnhaus, Kontor und Lager in einem hatten . Innerhalb der folgenden drei Tage fraßen sich die Flammen durch die eng stehenden Fachwerkhäuser, angetrieben von Wind und trockenem Wetter, und verwüsteten mehr als ein Drittel der Altstadt.

Die Deichstraße selbst blieb im südlichen Abschnitt verschont; deshalb stehen hier heute historische Bürgerhäuser aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, als seltenes Zeugnis des alten Hamburgs. Die meisten anderen Straßen, Plätze und Gebäude – darunter Kirchen, Wohnhäuser, Schulen und Verwaltungsbauten – lagen in Schutt und Asche. Die Feuerwehr, unterstützt von Nachbarstädten, kämpfte drei Tage gegen die Ausbreitung.

Die erst kurz zuvor eingeweihte Börse konnte bewusst gerettet werden, weil Kaufleute und Bürger sie gemeinsam gegen die Flammen verteidigten – sie blieb als einziges großes Gebäude der Innenstadt stehen. Diese Rettung steht für eine Stadt, die ihren wirtschaftlichen Kern schützt.

Das alte Rathaus war verloren. Sein Ersatz wurde lange geplant. Erst 1886 begann der Neubau, und 1897 wurde das heutige Rathaus vollendet – ein Statement aus Stein und Selbstbewusstsein, auf 4.000 Eichenpfählen und mit 647 Zimmern gebaut.

Der große Brand war ein Bruch. Breitere Straßen, mehr Backstein, neue Bauordnungen – aus der Katastrophe entstand eine Stadt mit klareren Strukturen und moderneren Anforderungen. Rathaus und Rathausmarkt wurden neu gedacht; Kontorhäuser traten an die Stelle von Wohn-Lager-Kombinationen.

TIPP

Hygieia-Brunnen in Hamburg: Denkmal für Hygiene und Gesundheit

Der Hygieia-Brunnen im Hamburger Rathaus erinnert an die Cholera-Epidemie von 1892. Entdecke dieses einzigartige Denkmal für Gesundheit, Hygiene und Stadtgeschichte – ein Geheimtipp für Hamburg-Besucher.

Hamburger Rathaus

mit dem Hygieia-Brunnen

Gesellschaftsspiegel

Kunst von Ólafur Elíasson

Hamburg – Stadtgeschichte im Überblick

🛡 Frühzeit & Mittelalter

um 808 – Hammaburg als befestigte Anlage an Elbe und Alster entsteht, Ursprung der Stadt.

834 – Bischof Ansgar gründet das Bistum Hamburg.

845 – Hammaburg wird von Wikingern zerstört.

1189 – Zollfreiheit auf der Elbe durch Kaiser Friedrich I. (Symbol für Hafen und Handel).

1241 – Hamburger Bündnis mit Lübeck, frühe Hanse.

1529 – Reformation wird eingeführt.

🏙 19. Jahrhundert – die Moderne beginnt

1814/1815 – Hamburg wird nach Napoleon wieder souveräne Freie und Hansestadt.

5.–8. Mai 1842Großer Brand zerstört etwa ein Drittel der Altstadt.

1843 – das Thalia Theater eröffnet

1860–1914 – Industrielle Expansion, Verkehrsanbindung wächst, Bevölkerung steigt rasant. 1860 hatte Hamburg ca. 170.000 Einwohner, 1910 etwa 1 Million.

1883–1927 – Bau der Speicherstadt, später UNESCO-Weltkulturerbe.

1892 – Cholera-Epidemie (der Hygieia-Brunnen am Rathaus erinnert daran)

🌍 20. Jahrhundert – Konflikt, Wiederaufbau, Popgeschichte

1911 – Alter Elbtunnel eröffnet, technisches Meisterwerk seiner Zeit.

1937/38 – Groß-Hamburg-Gesetz: Altona, Harburg & Wandsbek werden Teil der Stadt.

24. Jul.–3. Aug. 1943 – Operation Gomorrha – verheerender Luftangriff im Zweiten Weltkrieg.

3. Mai 1945 – Britische Truppen übernehmen Hamburg; Beginn der Nachkriegszeit.

16. Feb 1962Große Sturmflut, Elbe erreicht Allzeit-Hochwasser, 315 Tote in Hamburg.

🎶Popkultur-Meilensteine

1960–1962Die Beatles spielen ausgedehnte Gigs auf St.Pauli in Clubs wie dem Star-Club, bevor sie weltberühmt werden.

1962 (13. April)Star-Club in der Großen Freiheit eröffnet, Zentrum der Rock-Szene, wird 1969 geschlossen.

1970er–80er – Udo Lindenberg prägt mit seinen Hamburg-bezogenen Songs deutsche Rockmusik.

ab 1990erHamburger Schule, Indie/Alternative-Bewegung mit deutschen Texten (u. a. Die Sterne, Blumfeld, Tocotronic).

🏛 21. Jahrhundert – Stadt im Wandel

9. April 2001 – Offizieller Baubeginn der HafenCity mit dem ersten Rammschlag (u. a. an den Kibbelsteg-Brücken); die alte Hafenfläche südlich der Speicherstadt wird erschlossen

2008 – Beatles-Platz eröffnet in St. Pauli als Erinnerung an die frühen Jahre der Fab Four.

2009 – Das erste große Teilquartier der HafenCity ist fertig und bezogen (Sandtorkai/Dalmannkai)

2015Speicherstadt & Kontorhausviertel mit Chilehaus als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet.

11. Jan. 2017 – Offizielle Eröffnung der Elbphilharmonie

Hamburg am Wasser: Elbe, Alster, Bille

An de Alster, an de Elbe, an de Bill, dor kann jeder eener moaken, wat he will.

Hamburger Lied, Text von Walter Rothenburg

Drei Flüsse sind für Hamburg wichtig: Elbe, Alster und Bille.

Die Elbe kommt von Sächsischer Schweiz und fließt in einem breiten Ästuar rund 110 Kilometer bis zur Nordsee. Ihre Tide gibt dem Hafen Rhythmus: Flut hebt Schiffe und die Pontons der Landungsbrücken, Ebbe lässt sie wieder sinken. Dieser Strom machte Hamburg im Mittelalter zu dem, was es wurde – ein Handelspunkt zwischen Ostsee, Nordsee und dem Binnenland.

Dann die Alster. Ein Nebenfluss der Elbe, etwa 56 Kilometer lang, der Hamburg durchquert. Im 12. und 13. Jahrhundert stauten Menschen ihren Lauf, um Mühlen anzutreiben – daraus entstanden die zwei Seen mitten in der Stadt: Außenalster und Binnenalster. Die Außenalster ist weit, fast wie ein Meer im Grünen, und rundum Parks, Alleen und Villen aus dem 19. Jahrhundert.

Die Binnenalster am Jungfernstieg ist ein Spiegel für Himmel und Stadtleben,

Zwischen beiden Wasserwelten entscheidet sich schnell die Freundschaft: Team Elbe oder Team Alster? Elbe heißt offener Horizont, Containerschiffe, Fähren und Hafenwind. Alster heißt Spaziergang, Segel, Uferlicht und leise Wellen an Promenaden. Als Gast darf man beides lieben – als Hamburger entwickelt man fast automatisch eine Präferenz.

Und mittendrin fließt die Bille, ein kleinerer Fluss im Südosten der Stadt, der durch Marschland und grüne Auen führt. Sie trägt weniger Schiffe, aber Landschaft in die Stadt hinein: sanfte Windungen, stille Uferwege, einen anderen Puls als die großen Wasserstraßen. Die Bille verbindet Stadt und Natur.

Mehr als 2.500 Brücken spannen sich über Flüsse und Fleete in Hamburg. Man überquert hier oft Wasser, manchmal mehrmals am Tag, ohne es bewusst zu merken. Wenn man jedoch darauf achtet, bemerkt man auch einen Perspektivwechsel. Je nachdem, auf welches Ufer man schaut, sieht man ein anderes Hamburg.

Ein Paar sieht ein Segelboot auf der Alster

Aussenalster

Den Segelbooten zuschauen

Elbe

Blick auf die Hafenkräne

Elbe in Hamburg, Blick auf die Hafenkräne

Der Hamburger Hafen: Herz, Risiko, Reichtum

  • Einer der größten Umschlaghäfen weltweit
  • Speicherstadt 1885–1927, UNESCO Weltkulturerbe seit 2015
  • Kontorhäuser, Chilehaus, Backsteinexpressionismus
  • ein neuer Stadtteil: die HafenCity

Der Hafen ist das Herz von Hamburg. Einer der größten Umschlaghäfen der Welt. Kaffee aus Südamerika, Teppiche aus Persien, Gewürze aus Asien. Hinter hohen Kais, zwischen Wasserarmen und Fleeten. Zwischen 1885 und 1927 entstand die Speicherstadt, ein 300 000 m² starkes Ensemble aus Lagerhäusern auf Eichenpfählen, durchzogen von Fleeten und verbunden durch Brücken – gebaut auf Flächen, die früher ein lebendiges Wohnviertel waren, dessen Häuser abgerissen wurden und dessen Bewohner weichen mussten. Die roten Backsteinfassaden sind heute Teil eines UNESCO-Weltkulturerbes.

Nicht weit entfernt steht das Kontorhausviertel mit seiner Ikone: dem Chilehaus. Ein Bau von 1924 im Backsteinexpressionismus, spitz wie ein Schiffskiel, entworfen von Fritz Höger. Die Kontorhäuser sind große, schlichte Büroblöcke mit charakteristischen Fassaden, Zeugen des Wirtschaftsbooms nach dem Speicherbau und Ausdruck eines Handels.

Speicherstadt und Kontorhausviertel sind zusammen UNESCO Weltkulturerbe – weil sie zeigen, wie Handel, Architektur und Wasser zusammengewachsen sind.

Und gleich daneben wird seit der Jahrtausendwende ein ganz neuer Stadtteil gebaut: die HafenCity. Wo früher Kräne quietschten und Lagerhallen standen, entstehen Wohnungen, Museen, Universitäten, breite Kais zum Flanieren. Backstein trifft Glas. Speicherstadt neben Neubau. Alt neben sehr neu.

Die HafenCity ist ein Experiment: Wie lebt man heute am Hafen? Wer kann sich das leisten? Wie viel Geschichte darf bleiben, wie viel Gegenwart muss rein? Hamburg verhandelt hier seine Zukunft – sichtbar, begehbar, manchmal umstritten.

Chilehaus, spitzer Giebel

Chilehaus

UNESCO Weltkulturerbe, einem Schiffsbug nachempfunden

Speicherstadt

Der Kibbelsteg führt in der Backsteinviertel

Kibbelsteg Brücke, die zur Speicherstadt führt

Kultur in Hamburg: Musik, Theater, Museen & Popgeschichte

Hamburgische Staatsoper

Die Hamburgische Staatsoper geht auf die Bürgeroper von 1678 zurück – Europas erstes öffentliches Opernhaus, gegründet von Hamburgerinnen und Hamburgern, die Musik als Teil ihres städtischen Lebens wollten und nicht als höfisches Privileg. Bis heute gehört sie zu den führenden Opernbühnen Europas.

Laeiszhalle

1908 wurde die Laeiszhalle eröffnet, ein neobarocker Saal für Orchester, Konzerte und große Formate, in dem internationale Solistinnen und Solisten und Komponisten aller Epochen auftreten – von Strauss bis Horowitz, Jazz bis Pop im Wandel der Jahrzehnte.

Elbphilharmonie

Die Elbphilharmonie steht auf einem alten Backsteinsockel direkt an der Elbe und wirkt wie ein gläserner Klangkörper über dem Wasser – ein neues, weithin sichtbares Wahrzeichen für Hamburgs Musikkultur. 2017 wurde sie eröffnet. Konzerte in ihren Sälen verbinden klassische Orchestertradition mit zeitgenössischen Formaten.

Elbphilharmonie in Hamburg

Elbphilharmonie

Glitzernde Welle auf historischem Kaispeicher

Wahrzeichen

Die Elbphilharmonie – lange gebaut, teuer geworden, inzwischen geliebt

Elbphilharmonie, Hamburg, vom Boot aus gesehen

Theater in Hamburg – große Bühnen der Stadt

Hamburg besitzt eine ungewöhnlich dichte Theaterlandschaft: große staatliche Bühnen, private Häuser, freie Produktionsorte. Zu den wichtigsten gehören Thalia Theater, Deutsches SchauSpielHaus, Ohnsorg-Theater, Ernst Deutsch Theater und Kampnagel. Zusammen zeigen sie, wie breit das Spektrum ist – vom klassischen Schauspiel bis zur internationalen Performance.

Thalia Theater

Das Thalia Theater am Gerhart-Hauptmann-Platz gehört zu den erfolgreichsten Sprechtheatern Deutschlands. Sein Spielplan verbindet Klassiker von Shakespeare, Schiller oder Goethe mit neuer Dramatik und internationalen Projekten. Das Haus arbeitet mit einem festen Ensemble und versteht sich als politisches, dialogorientiertes Theater, das gesellschaftliche Themen bewusst in den Mittelpunkt stellt. Zwei Spielstätten tragen diese Idee: das Große Haus in der Innenstadt und das Thalia in der Gaußstraße in Altona, wo junge Regisseurinnen, Autoren und experimentelle Formate Raum finden. Internationale Gastspiele, Festivals wie die Lessingtage und Einladungen zu großen Theaterfestivals zeigen die Bedeutung des Hauses weit über Hamburg hinaus.

Deutsches SchauSpielHaus

Nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt steht das Deutsche SchauSpielHaus, eines der größten Sprechtheater im deutschsprachigen Raum mit rund 1.200 Plätzen. Das neobarocke Gebäude wurde 1900 eröffnet und geht auf eine Initiative Hamburger Bürger zurück. Entworfen vom Wiener Architekturbüro Fellner und Helmer nach dem Vorbild des Wiener Volkstheaters, gehört es bis heute zu den eindrucksvollsten Theaterbauten der Stadt. In seiner mehr als 120-jährigen Geschichte haben zahlreiche bedeutende Regisseure und Intendanten hier gearbeitet. Seit 2013 prägt Intendantin Karin Beier das Haus, das mit großen Regienamen und anspruchsvollen Inszenierungen zu den führenden Bühnen Deutschlands zählt.

Fassaden vom Deutschen SchauSpielHaus Hamburg spiegekt sich in einer Pfütze

Deutsches SchauSpielHaus

Theater gegenüber vom Hauptbahnhof

Kronleuchter

im neobarocken Deutschen SchauSpielHaus

Kronleuchter im Deutschen SchauSpielHaus Hamburg

Weitere wichtige Bühnen:

Ohnsorg-Theater – Hamburger Institution für plattdeutsches Theater; viele Stücke werden zweisprachig op Platt und Hochdeutsch gespielt.

Ernst Deutsch Theater – Deutschlands größtes privates Sprechtheater und ein Forum für gesellschaftliche Themen und Nachwuchskünstler.

Kampnagel – internationales Produktionshaus für zeitgenössische darstellende Künste, Festivals und Konzerte in ehemaligen Fabrikhallen.

Internationales Sommerfestival auf Kampnagel

Museen in Hamburg

Hamburg hat über 60 Museen.

Die Hamburger Kunsthalle gehört zu den größten Kunstmuseen Deutschlands und öffnet Türen zu etwa acht Jahrhunderten europäischer Malerei, Skulptur und Grafik, mit einem eigenen Kubus für internationale Gegenwartskunst seit 1997.

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) ist eines der führenden Häuser für Gestaltung in Europa: seine Sammlungen reichen von der Antike bis in die Gegenwart und zeigen, wie Menschen ihre Welt gestaltet haben und gestalten.

Das MARKK – Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt präsentiert ethnographische Sammlungen aus aller Welt und lädt ein, kulturelle Vielfalt, historische Zusammenhänge und unterschiedliche Lebenswelten zu entdecken.

Die Kunsthalle in Hamburg, Aussenansicht
Kunsthalle in Hamburg

Popkultur & Popgeschichte

Diese Stadt klingt. Sie war Station und Sprungbrett großer Popgeschichten.

Die Beatles

Zwischen 1960 und 1962 spielten John, Paul, George und Ringo in den Clubs auf und um die Reeperbahn – Indra, Star-Club, Kaiserkeller – und formten dort ihren frühen Sound, lange Sets, harte Nächte, hungrige Schritte Richtung Bühne und Öffentlichkeit. Hamburg war für sie mehr als ein Auftrittsort, es war Lehrmeister, Labor und Sprungbrett zugleich. Jahrzehnte später erinnern der Beatles-Platz (der sich leider nur miserabel fotografieren lässt) und Orte in St. Pauli an diese Zeit, an Nächte voller R ’n’ R, rauer Bars und Loyalität zwischen Bühne und Publikum.

Bild von den Beatles im Indra
Die Beatles traten in Hamburg zuerst im Indra auf – ein Bild dort erinnert daran

Udo Lindenberg

Udo Lindenberg ist ein Hamburger Eigengewicht der deutschen Rock- und Popgeschichte. In den 1970er und 80er Jahren spielte er in Hamburger Musiklokalen wie Onkel Pö. Seine Lieder – „Reeperbahn“, „Sonderzug nach Pankow“ – atmen Großstadt und einen Trotz, der aus der norddeutschen Direktheit kommt und aus dem Wunsch, laut zu sein, wenn es darauf ankommt. Er lebt im Hotel Atlantic, im „weißen Schloss an der Alster“, dauerhaft seit 1995. Warum? „Hätte Bach seinen Müll persönlich runtergetragen, hätte er so manche Kantate nicht geschrieben“, sagt der Panikrocker.

Hotel Atlantic, An der Alster 72-79, 20099 Hamburg

Hamburger Schule

Ab den 1990er-Jahren war hier ein vibrierender Untergrund an Bands und Acts präsent, deren Indie-, Alternative- und Popklänge mit deutschen Texten ein eigenes Kapitel aufschlugen. Blumfeld, Tocotronic oder Die Sterne sind Beispiele für diesen Sound, der nüchtern, kritisch, persönlich und urban zugleich ist – eine Haltung, in der Text und Tonlage ein Spiegelbild der Stadt sind. Hamburg war nicht nur Bühne, sondern Ursprung und Vermittler einer deutschsprachigen Pop-Ästhetik, die weit über lokale Clubs hinausreichte.

Bernd Begemann

Bernd Begemann gehört musikalisch zu Hamburg wie der Michel zur Skyline – ein Singer-Songwriter, dessen Lieder oft von Stadt, Gefühl und Dissonanzen erzählen. Er zog 1984 nach Hamburg und gründete hier die Band Die Antwort, bevor er als Solo-Künstler und mit Bernd Begemann & Die Befreiung weiterwirkte. Begemann gilt als ein früher Impulsgeber für die Hamburger Schule und ist bekannt für seine langen, erzählerischen Konzerte und lakonischen Texte, die Alltag, Ironie und Herz miteinander verknüpfen. Seine Zeile „Unten am Hafen, wo die großen Schiffe schlafen“ ist längst Teil des popkulturellen Hamburg-Lexikons. Heute tourt er solo oder mit Band durch Clubs und Hallen, seine Songs bleiben im Ohr wie vertraute Spaziergänge durch eine Stadt zwischen Elbe und Alster.

Reeperbahnfestival

Heute lebt Hamburgs Popmusik-Tradition in über 100 Clubs weiter, in Bars und im Rahmen des Reeperbahn Festivals, das jährlich im September Newcomer und etablierte Acts zusammenbringt und Hamburg als Sound-City festschreibt.

Mojo Club in Hamburg, Tür geöffnet, das große M-Logo ist rot beleuchtet
Der Mojo Club öffnet seine Türen, die sonst unauffällig im Boden versenkt sind

Hamburgs Stadtviertel – eine kleine Auswahl

Altstadt

Rathaus, Alsterarkaden, Kontorhäuser. Hier sitzt der hanseatische Ernst.
Die Altstadt ist der älteste Kern Hamburgs, wo um den Domplatz einst die Hammaburg stand und die Wege der Händler sich kreuzten. Heute öffnet sich der Rathausmarkt vor dem prachtvollen Rathaus, dessen Fassade und Innenräume stolz erzählen, wie sehr diese Stadt einst und heute auf Selbstverwaltung und Bürgersinn setzt. An den Alsterarkaden, mit ihren eleganten Bogen und Blicken auf die Binnenalster, lässt sich das Leben beobachten – hier treffen Flaneure, Kaffeehausmomente und Wasserblick zusammen. Zwischen stillen Fleeten und lebhaften Gassen verbergen sich Kontorhäuser und Passagewege: Zeugen einer Zeit, in der Handel und Architektur eng verwoben waren

Neustadt

Die Neustadt ist das urbane Herzstück zwischen Altstadt, St. Pauli, Binnenalster und Elbe – ein Stadtteil, der Geschichte, moderne Lebendigkeit und ganz unterschiedliche Facetten in sich trägt. Historisch entstand er im 17. Jahrhundert, als Hamburgs Stadtbefestigungen erweitert wurden und die neue Neustadt angelegt wurde; der Großneumarkt war damals ein zentraler Platz in diesem neuen Stadtgefüge, heute ein lebendiger Treffpunkt mit Straßencafés

Ganz im Süden schließt sich das Portugiesenviertel an, ein kleines mediterranes Quartier mit südländischem Flair direkt am Hafen. Entlang der Ditmar-Koel-Straße reihen sich Cafés, Restaurants, Tapas-Bars und Pastéis-de-Nata-Stände, die an sonnige Tage am Atlantik erinnern – ein Hauch von Lissabon zwischen Elbe und Michel.

Ditmar-Koel-Straße in Hamburg

Portugiesenviertel

so wird die untere Neustadt auch genannt

Milch Feinkost

Kaffeetrinken in der Ditmar-Koel-Straße

St. Pauli

St. Pauli ist die lebendige, laute, widersprüchliche Seele Hamburgs. Einst im 17. Jahrhundert als Vorstadt „Hamburger Berg“ entstanden, wurde das Gebiet später nach der St. Pauli-Kirche benannt und zur Spielwiese für Gewerbe, das in der engen Altstadt oft keinen Platz hatte. Seine Nähe zur Elbe und den Landungsbrücken machte St. Pauli früh zu einem Anziehungspunkt für Seeleute, Händler und später Ausgehwillige.

Im Zentrum steht die Reeperbahn – etwa 930 Meter lange Straße, die sich vom Millerntor nach Westen zieht und seit Generationen als sogenannte „sündigste Meile der Welt“ gilt. Hier reihen sich Bars, Theatern, Diskotheken, Restaurants und Live-Bühnen aneinander; Theater wie Schmidt’s Tivoli und Szenetreffs wie die Große Freiheit erzählen von Vergnügen, Musik und Nachtleben – und von einem oft ungestümen Gemeinschaftsgefühl.

Palmen aus Stahl im Park Fiction auf St. Pauli
Palmen aus Stahl im Park Fiction auf St. Pauli

HafenCity

Hamburgs neuester Stadtteil – und noch nicht ganz fertig. Mit Elbphilharmonie, Westfield-Einkaufscentrum und Kreuzfahrt-Terminal.

Sternschanze und Karoviertel

Flohmarkt, politische Plakate, Rote Flora. Zwischen Widerstand und Wochenendpublikum.

Karoviertel

schmale Wohngassen

Schanzenviertel

eine Brücke über die U-Bahn-Gleise verbindet Schanze und Karoviertel

Altona

Altona war lange dänisch, eigenständig, tolerant. Fischmarkt, Elbhang, ein anderes Selbstverständnis. Erst seit 1937 offiziell Teil Hamburgs – der Eigensinn ist geblieben.

Land unter beim Fischmarkt Altona, das Wasser überschwemmt die Fischauktionshalle
Land unter beim Fischmarkt – das kann schon mal vorkommen
Stuhlmann-Brunnen in Altona

TIPP

Hamburg vs. Altona – was der Stuhlmann-Brunnen über alte Rivalitäten verrät

Der Fisch, den keiner kriegt: Ein Denkmal für Lokalstolz, Künstlerkräche und eine Nachbarschaftsfehde mit norddeutscher Grandezza. Mehr dazu in meinem Beitrag über den Stuhlmann-Brunnen in Altona.

Ottensen

Ottensen ist Altonas Wohnzimmer. Backsteinhöfe, kleine Theater, Cafés in ehemaligen Fabriken.

Eppendorf, Winterhude, Uhlenhorst

Alsterkanäle, Villen, Isemarkt unter der Hochbahn. Gepflegte Zurückhaltung.

Wilhelmsburg

Wilhelmsburg liegt auf der größten Elbinsel. Industrie, Migration, Experimente. Hier probiert Hamburg Zukunft.

Veddel

Die Veddel ist Hafenrand und Alltag. Zwischen Containerkränen und Wohnblocks. Außerdem gibt es dort ein goldenes Haus.

Die Veddeler Fischbratküche ist ein Hamburger Original. Hier gibt es den besten Backfisch!

Veddeler Fischbratküche außen

Veddeler Fischbratküche

Ein echtes Original

Zurück in den 50ern

In der Veddeler Fischbratküche

Veddeler Fischbratküche innen

Hamburger Klima, Charakter, Klischees

Hamburg lebt mit Wind und Wasser, das auch gerne mal von oben oder seitlich kommt. 773 Millimeter Regen im Jahr. Ein Schirm hilft da wenig, ein Regenmantel schon mehr. Das Wetter wechselt schnell, Licht bricht durch Wolken, der Horizont rückt ständig.

Hier gilt ein eigener Tonfall: sachlich, knapp, wach. Worte haben Gewicht, Gesten auch.

Ein Bestandteil davon ist das sogenannte Hamburger Sie: Man nennt jemanden beim Vornamen und spricht ihn zugleich mit „Sie“ an. Ein Mittelweg zwischen Nähe und Formalität. Es ist höflich und persönlich zugleich, direkt, aber respektvoll.

Dann dieses „Moin“. Und zwar nur eins, mehr wäre Gesabbel. „Moin“ heißt nicht „Guten Morgen“, der Gruß passt zu jeder Tageszeit.
Hamburger gelten als kühl.
In Wahrheit sind sie kontrolliert herzlich.

Beste Aussichten: wenn Ihr Euch einen Überblick über Hamburg verschaffen wollt

Hafen- und Elbblicke

Elbphilharmonie Plaza: Plattform in 37 Metern Höhe mit 360-Grad-Blick auf HafenCity, Speicherstadt und Elbe. Tickets online oder vor Ort buchen.

Stintfang (Landungsbrücken): Kostenloser Spot oberhalb der Brücken mit Blick auf Containerterminals, Schiffe und Pegelturm; ideal für Sonnenuntergang.

Dockland Aussichtsplattform: Modernes Bürogebäude in Schiffsform in Altona mit freiem Blick über Elbe, Werften und Skyline.

Steinwerder (durch Elbtunnel): Industrie-Skyline von der Elbinsel aus; roher Hafenblick ohne Massen.

HafenCity Viewpoint (Grandeswerderstraße): 13 Meter hohe orangefarbene Stahlplattform mit Panoramablick auf die moderne HafenCity.

Mit anderer Vergangenheit

Grüner Bunker (Heiligengeistfeld): Dachgarten auf historischem Flakturm mit Ausblick über St. Pauli, Hafen und Dom

Energieberg Georgswerder: Grüner Hügel mit weitem Blick über Wilhelmsburg, Elbe und Industrie; ideal für Sonnenuntergänge und Picknicks

Kirchtürme

St. Michaelis Kirche (Michel): Aussichtsplattform in 106 Metern nach 453 Stufen (oder Lift), Blick über Stadt, Hafen und Alster; Nachtmichel für Lichterglanz.

St. Petri Kirche: Höchster Aussichtsturm der Stadt (123 Meter, 544 Stufen) mit 360-Grad-Panorama über Innenstadt, Hafen und Michel. Der Turm in seiner heutigen Form (Entwurf des Turmhelms von Johann Maack) wurde am 7. Mai 1878 eingeweiht, auf den Tag genau 36 Jahre nach der Zerstörung des Vorgängers in den Flammen des großen Hamburger Brands.

TIPP

1000 Mal berührt: Der wahre König der Löwen in Hamburg

Hamburges ältestes öffentlich zugängliches Kunstwerk: Der Löwenkopf-Türzieher von St. Petri ist für mich der wahre König der Löwen!

Der Turm der Hamburger St. Michaeliskirche, auch Michel genannt, umringt von Magnolienblüten

Michel & Magnolien

Der Turm der Hamburger St. Michaeliskirche, auch Michel genannt

Grüner Bunker

noch ganz schön grau auf dem Heiligengeistfeld

Grüner Bunker auf dem Heiligengeitsfeld in Hamburg

Anreise nach Hamburg

Hamburg liegt im Norden Deutschlands an der Elbe, rund 100 Kilometer von der Nordsee entfernt – und ist als Knoten zwischen Skandinavien, Norddeutschland und dem Rest der Republik entsprechend leicht erreichbar. Am bequemsten ist die Anreise mit der Bahn: Fernzüge (ICE/IC/EC) laufen im Hamburger Hauptbahnhof zusammen, einem der am stärksten frequentierten Bahnhöfe Deutschlands – entsprechend dicht ist das Gedränge, besonders zu Pendel- und Wochenendzeiten. Mit dem Auto führen die großen Achsen (u. a. A1, A7, A23, A24) direkt in die Stadt; sinnvoll ist meist, früh ein Parkhaus oder P+R einzuplanen. Per Flugzeug geht es über den Flughafen Hamburg (HAM) in Fuhlsbüttel, von dort weiter per S-Bahn und Taxi ins Zentrum. Fernbusse halten am ZOB in Bahnhofsnähe, und per Schiff ist Hamburg über Fähr- und Kreuzfahrtterminals angebunden – eine Ankunftsvariante, die den Hafenblick gleich mitliefert.

U- und S-Bahn, Busse und Fähren in Hamburg

Der öffentliche Nahverkehr in Hamburg ist gut ausgebaut. Die einzelnen Verkehrsbetriebe sind im Hamburger VerkehrsVerbund (HVV) organisiert. Die Tickets sind an Bahnhöfen oder in der HVV-App erhältlich und für alle Verkehrsmittel (inklusive HADAG-Fähren) gültig. Bereits ab zwei Personen lohnt eine 9-Uhr-Gruppentageskarte (Gültig ab 9 Uhr morgens). Wenn Ihr das Deutschlandticket, habt, seid Ihr sowieso fein raus. Achtung: In Bussen können keine Tickets erworben werden.

Für Sightseeing eignet sich vor allem die U-Bahn-Ringlinie U3 (gelb). Zum Flughafen fährt die S-Bahn-Linie 1 (grün). Tipp: Vermeidet, wenn möglich, Umstiege am Hauptbahnhof.

Hamburger Hauptbahnhof, Blick Richtung Gleise

Hauptbahnhof Hamburg

so leer ist es hier selten

St. Pauli Landungsbrücken

Die HADAG-Fähren gehören zum öffentlichen Nahverkehr

St. Pauli Landungsbrücken, Fähre spiegelt sich in einer Pfütze
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